Literarisches Projekt Teil VI – Versatzstücke (3)

Heute kommentarlos die nächsten Szenen aus „Versatzstücke“. Wenn jemand Lust hat, es aufzuführen, soll er sich melden ;)…

6. Szene (die bekannte Bar, Unterhaltungen überall; Preston an der Bar)

P: Bourbon.
S: Doppelt ohne Eis. (schenkt ein)
P: (stürzt ihn hinunter, deutet hinein, stürzt den zweiten hinunter, dreht sich eine Zigarette, raucht sie hastig)
S: Alles ok?
P: Bobby ist tot.
S: Das kann nicht sein, er war gestern Abend hier.
P: Bobby?
S: Ja. (ab)
P: (zu sich) Sie also auch. (stürzt noch einen hinunter, ab)

7. Szene (Prestons Wohnung, Preston wittert vor der Tür Gefahr, stürmt hinein, stolpert; als er wieder zu sich kommt liegt er auf seinem Bett, Connor mit Prestons Waffe in der Hand auf einem Stuhl in der Ecke)

P: Seh ich Sie auch mal wieder.
C: Ihr Geist ist schneller als Ihr alter Körper.
P: Ich bin nicht alt.
C: Sie haben sich mit Ihrem Lebenswandel künstlich veraltert.
P: lassen Sie mich in Ruhe.
C: Haben Sie nachgedacht? Die Kommunistenabwehr sollte Ihnen als amerikanischem Staatsbürger am Herzen liegen.
P: Ich bin Antikommunist.
C: Dann kooperieren Sie.
P: Ist Bobby nun tot?
C: Reden wir von der Gegenwart.
P: (richtet sich auf, wütend) Ist er tot?
C: (richtet die Waffe auf ihn) Wollen Sie Selbstmord begehen?
P: Scheißbullen.
C: Sie sagen Sie wären Antikommunist. Helfen Sie uns.
P: Ich bin auch Antifaschist du Judenmörder. Hitler, Stalin, alle gehören sie an die Wand.
C: Sie werden unsachlich.
P: Ihr Deutschen bringt den Affen in mir hervor.
C: Ich werde jetzt gehen, Ihre Waffe lege ich auf das Telefonkästchen. Folgen Sie mir nicht, und don’t call us, we’ll call you.
P: (richtet sich mit letzter Kraft auf, reckt die rechte Hand) SIEG HEIL, du Schwein! Sieg heil sieg heil…sieg…heil.. (bricht zusammen, lacht krankhaft und wimmert dann)

3. Chor

Meine Paranoia war immer mein bester Freund. Sie hat mich vorm KZ bewahrt und sie hat verhindert dass ich in der Normandie falle. Sie hat mir den Arsch gerettet als ich diesen IBM-Mitarbeiter töten wollte und er in seinem Auto von amerikanischen Antifaschisten in die Luft gejagt wurde. Sie hat mich einsam gemacht. Ich habe niemals jemandem getraut. Mein Leben steht über dem. Darüber. Darüber…

8. Szene (auf der Bank, Angestellte bedient ihn)

P: Guten Morgen.
Angestellte: Guten Morgen, Sir.
P: Schließfach 667.
A: Einen Augenblick, Sir. (ab)
P: (wartet, sieht sich um und beobachtet ein Paar nahe dem Ausgang)
Er: Wo ist das Geld? Es waren 400 Dollar auf dem Konto.
Sie: Ich habe keine Ahnung, das musst du mir glauben, ich habe nichts abgehoben.
Er: Und wer war das dann? 16. Februar, 160 Dollar, 3. März 220 Dollar. Die hat der heilige Geist geholt.
Sie: Ich liebe dich. In diesen Zeiten müssen wir zusammenhalten.
Er: (außer sich) Frauen… (ab)
A: (mit Schließfachkassette in der Hand) Hier, bitte sehr, Sir.
P: Danke… (mit dem Fach an einen separaten Tisch, durchsucht das Fach immer hektischer, verzweifelt fast und wirft die Kassette schließlich auf den Boden) Ich halte das nicht mehr aus. Bobby. Bobby…
A: SIR! was machen Sie denn da?
P: (stürmt hinaus, Angestellte verfolgt ihn halbherzig einige Schritte, räumt dann auf)

4. Chor

Wenn diese Schweine von Gehlen mir außer meiner Heimat auch noch Bobby genommen haben gnade ihnen Gott. Es gnade ihnen ihr Gott, der Gott, an den ich niemals glauben konnte. Ich lasse es nicht zu. Ich lasse das alles nicht mehr zu. Sollen Sie kommen, ich nehme sie einzeln auseinander oder das ganze Pack auf einmal. Ich räume auf in diesem Scheißstaat. (der ganze Chor bricht kollektiv zusammen)

9. Szene (die bekannte Bar, Preston an den Tresen, ansonsten leer)

P: Bourbon.
S: Doppelt ohne Eis. (schenkt ein)
P: (stürzt ihn hinunter, deutet hinein, stürzt den zweiten hinunter, dreht sich eine Zigarette, raucht sie hastig) Hast du Bobby wieder gesehen?
S: Er ist auf der Toilette.
P: Du Lügnerin. Was bezahlen sie dir?
S: Du bist besoffen.
P: Noch nicht, das ist ja mein Problem.
B: (kommt von der Toilette) Ich habe die Fotos bei mir, Jackie Boy. (gibt ihm einen Umschlag)
P: Was…was ist deiner Meinung nach an diesem Nachmittag passiert?
B: Was…? Was an diesem Nachmittag passiert sein soll? Ich habe die Aufnahmen gemacht, und du warst weg. Du hattest wohl Durst…
P: Du…du hast keine Agenten gesehen?
B: Agenten?
P: (sieht ihn mit zusammengekniffenen Augen lange an, guckt dann zu Silvia, dann spricht er langsam) Ich weiß nicht, was die euch bezahlen, diese Nazischweine, aber ich kriege euch beide zu fassen; haben die euch in der Hand? Behalte deine Scheiße! (schmeißt Bobby den Umschlag vor die Brust, ab)
B: (zu Silvia) Was zur Hölle ist mit dem los?
S: Ich weiß nicht, er dreht immer mehr ab. Er trinkt zu viel.
B: Ja, aber was meinte er?
S: Ich weiß nicht. Vor einer halben Woche war er hier und meinte, du seist tot.

5. Chor:

Er steckt mit ihnen unter einer Decke. Sie stecken alle drin, es ist nicht einmal schwer zu verstehen. Sie haben alle in der Hand, die sie in der Hand haben wollen. Nur meine gesunde Paranoia hat mich bewahrt, ihnen auch willigst zu Diensten sein zu müssen. Ich habe mir nichts zu schulden kommen lassen. ich bin ein Profi. (schreiend) Hört ihr, ich bin ein Profi! Ein Profi (schwächer) ein Profi ein Profi…ein Profi…ein Profi…

10. Szene (Preston daheim, lässt sich systematisch vollaufen, Monolog)

P: Ich werde es diesen Schweinen zeigen. Sie werden sich verantworten müssen für das, was sie mir…was sie diesem Land…und ich denke nicht daran, diesen Pennern Gelegenheit zu geben, sich zu wehren. Ich bin schwach und bedroht…Präventivkrieg. Blitzkrieg. Sie werden alle auf einmal fallen und das ganze Scheißsystem mit ihnen. (Connor sitzt plötzlich neben ihm)

C: Du kannst uns nicht entkommen. WIR verüben den Präventivschlag.
P: (merklich betrunken) Ihr Schweine…
C: Dein Wortschatz ist doch recht begrenzt, was?
P: Halt’s Maul.
C: Du solltest nicht denken, dass du uns töten kannst, dass du mit deinen kleinen Morden, mit denen du bislang deine kranke Gerechtigkeit hergestellt hast, uns entgegentreten kannst.
P: Ihr seid auch aus Fleisch und Blut.
C: Das ist dein Denkfehler.
P: Ihr habt Bobby und Silvia nicht etwa umgebracht. Hättet ihr sie umgebracht würde ich euch allen Kugeln durch die Därme treiben und wäre wieder versöhnt mit der Welt, vielleicht mit noch etwas mehr Hass im Herzen.
C: Ich bin der Hass in deinem Herzen.
P: (nimmt noch einen Schluck und stolpert dann blindlings wütend auf Connor zu) SIEG HEIL du Schwein! (schlägt nach ihm, trifft nicht, packt seine Waffe und ballert das Magazin/die Trommel leer, trifft scheinbar)
C: (lacht höhnisch und entfernt sich ins Dunkel)
P: Ihr…ihr Faschistenschweine…faschisten…schweine…(bricht zusammen)

11. Szene (dunkle Straßenecke, flackernde Laterne, Bobby daran gelehnt, Sturm)

P: (aus dem Dunkel tretend) Nabend.
B: (kühl) Was willst du?
P: Ich wollte reden.
B: Reden wir.
P: Ich habe mit deinem Vorgesetzten gesprochen.
B: Was zur Hölle…?
P: Ich kenne Connor. Ich kenne seine Vergangenheit. Wärest du es mir noch wert würde ich dir moralische Vorhaltungen machen. Aber so…
B: (verzweifelnd) Wer in drei Teufels Namen soll dieser Connor sein?
P: Ich habe genug von euren beschissenen Shows. (zieht seine Waffe)
B: Silvia hat recht, du drehst vollkommen ab. Hör mal ne Woche auf zu saufen und bekomm deinen Verstand wieder klar.
P: Je mehr ich saufe desto klarer werde ich (beweist die These durch einen langen Schluck aus dem Flachmann)
B: Steck die Kanone weg, was willst du damit? (höhnisch-ängstlich) Willst du mich erschießen?
P: Genau das will ich. Du hast mein Vertrauen missbraucht. Du hast mich lächerlich gemacht. Connor hat mir alles gestanden, auch wenn er mir entkommen konnte.
B: (brüllt) Ich kenne keinen Connor!
P: Lügner! LÜGNER! Ihr habt mir lange genug die Hucke vollgelügt! Ich bin hier, um aufzuräumen. Und ich hatte um dich getrauert…
B: Du verdammter Psychopath! Warte. Warte…! (seine Worte ersticken in Prestons Schüssen)

6. Chor (sitzend)

Diese Hunde haben es nicht anders gewollt. Sie haben mich provoziert, und eine Schlange in der Ecke reizt man nicht. Um Bobby tut es mir irgendwie doch leid, ich mochte ihn sehr. Er hat selbst schuld, er hat mich hintergangen. Ich habe nur noch eines zu tun, eines zu tun, eines zu tun…(der Chor wirft sich übereinander, im Endeffekt sticht man sich gegenseitig oder selbst ab oder schluckt Gift, bis alle tot am Boden liegen)

12. Szene (bekannte Bar, viel Publikum, viele Gespräche, Preston setzt sich an den Tresen, bestellt nichts)

S: Bourbon?
P: Bobby ist tot.
S: Jack…er war heute nachmittag noch hier.
P: Bobby ist tot.
S: (ihr Mitleid schlägt in Ungeduld um) Woher willst du das wissen?
P: Ich hab ihn abgeknallt.
S: Du hast…warum hast du das getan? Wann? Du bist doch nicht mehr ganz dicht.
P: Er hat mich hintergangen, hat mich an die Faschisten verkauft. Genau wie du.
S: (entnervt, nervös) der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Du bist paranoid, es gibt keinen Faschismus mehr.
P: (schießt sie nieder, ballert dann in die Menge im Raum) FASCHISTEN! ALLES FASCHISTEN!

Eine Antwort schreiben