Kürzlich kam in einem Verein, in dem ich Mitglied bin, eine Diskussion auf – nämlich ob man Mitgliederpartizipation in Form eines Webforums oder einer Mailingliste bzw. Newsgroup organisiert. Beide Ideen liefen zunächst parallel – das Forum von mir verwaltet -, mittlerweile wurde aber zugunsten der Mailingliste entschieden (was mich – außerhalb der Sache – nicht weiter berührt, da mir dieser Entscheid Arbeit spart).
Sachlich muss ich allerdings an dieser Stelle zu bedenken geben, dass Mailinglists eigentlich nicht mehr up-to-date sind – und das ganz zu Recht (siehe auch die Gründe für den Erfolg des Web gegenüber anderen Diensten des Internet in dieser Web-Historie). Ich wage mal folgende Hypothese: Subjektiv empfinden heute die meisten Nutzer Webangebote als unaufdringlicher und komfortabler; StudiVZ (als Erfolgs-Vorreiter) bspw. schickt einem auf Wunsch Mails, die einen daran erinnern, dass man im Web noch etwas nachzusehen hat (neue PM o.ä.).
Weiterhin erzeugen Mails Stress, wie man hier exemplarisch im Guardian nachlesen kann. Forenbeiträge haben als im Web veröffentlicht (hoffentlich!) eine längere Halbwertszeit als Nachrichten, die nur zwischen einer handvoll Nutzern verkehren, und stehen theoretisch auch als Quellen zur Verfügung, die man verlinken (und nicht nur zitieren!) kann – die Lösung ist sozusagen “zentral” im Gegensatz zu dezentralen Mailinglists und P2P-Chats. Außerdem passierte mir mit unserer tollen googlegoups-Gruppe folgendes: GMX verschob fast alle eingehenden Mails automatisch aufgrund einer Header-Analyse in den Spamverdachtsordner – und das, obwohl ich generell vom GMX-Spamschutz doch recht angetan bin (im Vergleich zu web.de, yahoo Mail etc.). Daraus schließe ich, dass nicht einmal ein großer Anbieter wie Google mit seiner atavistischen Kommunikationsform im Zentrum eines Marktes steht. Es lebe das Web!
PS: Schließlich noch zur Erbauung: Wir alle kennen die folgende Forensignatur:
“Nietzsche: Gott ist tot.
Gott: Nietzsche ist tot.”
Nach anfänglicher Freude über das nette Wortspiel fällt doch recht schnell ins Auge, dass man es hier mit einem Kategorienfehler zu tun hat. Denn Nietzsche geht keineswegs von einer göttlichen Person aus, Gott ist hier (wie im berühmten 125. Aphorismus der Fröhlichen Wissenschaft) eine Metapher für ein altes Weltbild. Insofern wäre korrekter zu sagen: Gott lebt noch. Nietzsche in diesem Sinne aber gottlob auch.
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