Nietzsche und die Lebenskunst: Artikel online

Ich verweise hier gern in Sachen GKPN auf Helmut Walthers Website, wo er seinen Essay über Nietzsches Gedanken zur Lebensführung online gestellt hat. Im Print nachzulesen in der Sonderausgabe “Glück und Lebenskunst” von Aufklärung und Kritik, zusammen mit Aufsätzen über u.a. LaMettrie, Schopenhauer, Voltaire und allgemeinen Reflexionen. Ein Zitat zur Motivation, den ganzen (ausgezeichneten!) Artikel zu lesen:

“Andererseits ist die Forderung, dass jeder Mensch zwei Drittel seines Tages für sich haben sollte,
ein auch heute in ernsthaften Überlegungen zur Auffassung der Arbeit anzutreffender Gedan-
ke – und sicherlich eine nicht unwichtige Voraussetzung für ein glücklich gelingendes und
erfülltes Leben (wenn auch die heutige Nutzenmaximierung, genannt Globalisierung, eher
wieder in die gegenteilige Richtung des Versklavung jedenfalls eines Teiles der arbeitenden
Menschen zu drängen scheint: Wie anders sollte man es nennen, wenn eine Vollerwerbstätig-
keit Mann/Frau nicht einmal den Lebensunterhalt gewährleistet?)”

Zur Sprache kommt u.a. auch der “Zwei-Kammern-Gedanke”, den ich insbesondere in bezug auf mein Steckenpferd Rauschmittel[politik] immer gerne anführe. In Kurzform: Eine “Hirnkammer” (also ein Aspekt des individuellen Denkens) zeichnet verantwortlich für die kreativen, dionysischen, chaotischen, mutativen Impulse (liefert den “Brennstoff”), während die andere Kammer das rationale, kosmisch (geordnete), selektive Moment darstellt (also den Hochofen reguliert und vor Überhitzung bewahrt). Im Groben gesagt: Der Hochofen wird nicht mit den richtigen Dingen geschürt – weil man ihn überhaupt nicht schüren will. Mit Denkern wie Herbert Marcuse (insb. “Der eindimensionale Mensch”) gesprochen – mit deutlich kritischerem Ton allerdings, denn diesen hielte ich für angemessen: Der Mensch hat verlernt, eine Alternative zu seiner Realität zu denken, und akzeptiert schlichthin den Rahmen der Gesellschaft als gegeben. Utopie findet nicht statt. (Dystopie übrigens auch nicht.) Hier stört eine kreative Komponente nur den freien Fluss von Ware und Kapital und mindert die Produktion.

Einen Kommentar schreiben