Was ein Runner (nicht) ist

Folgende Auführungen beziehen sich auf das P&P-Rollenspiel “Shadowrun”. Zur Spielwelt finden sich u.a. hier Informationen.

1. Ein Runner ist kein Held.

Eines der großen Streitthemen in unserer Runde. Und überhaupt mein Problem mit epischem Rollenspiel. Ich persönlich spiele lieber einen realistisch gezeichneten, glaubwürdigen Charakter, als einen großen Helden – was leider mitunter dazu führt(e), dass meine Charaktere dunkler wurden als geplant. Verräter, Junkies, Paktierer. Man weiß, was ich meine. Und gerade in Shadowrun bietet sich ein verschlagenes, hinterhältiges, aber auch heruntergekommenes Gameplay an. Und das Wichtigste: Ein Runner ist kein Halbgott, er ist und bleibt ein (Meta-)Mensch. Und das Bewußtsein wird nunmal (auch) vom Sein geprägt:

2. Ein Runner lebt in den 2070er Jahren.

Das ist ganz einfach bedingt durch die Umwelt, in der ein Runner lebt: Wir spielen zumeist in Seattle – aber auch in anderen Städten wird es nicht wesentlich anders aussehen – und hier regiert nunmal entweder das Gesetz der Straße, oder ein modifiziertes Faustrecht, das mit käuflichen Fäusten arbeitet. Auf der Straße finden ebensoviele Verbrechen statt wie in den Hochhäusern und Firmentürmen – nur mit anderen Waffen (und zumeist weniger Opfern). Die Zukunft ist brutal, ein Bürgerrecht existiert nicht (und ein Metamenschenrecht schon gar nicht). Prostitution, Menschenhandel, skrupellose Konzerne, Wirtschaftsverbrecher, Drogen, verblödende Medien, Dauerberieselung: das ist die Welt von Shadowrun.

3. Ein Runner lebt in den Schatten.

Runner sind Verbrecher – und nicht jeder Runner ist ein Robin Hood. Manch einen Runner treibt seine Drogensucht in den Run, einen andern ein schweres Trauma, den nächsten seine Gier. Wirklich freiwillig werden aber wohl die wenigsten solch ein Leben auf sich nehmen. (Wobei ich zugeben muss, ein Gentlemanverbrecher würde mich einmal reizen.) Es geht also in den Schatten noch ausschließlicher um Verbrechen und den eigenen Vorteil als im Rest dieser Spielwelt.

4. Ein Run verläuft nicht ohne Folgen.

Runs sind Verbrechen, egal worum es letztlich geht: Legal ist es nicht. Bei Runs verliert man Kameraden, gerät selbst in Lebensgefahr. Das mag ein ausgebildeter Soldat zeitweise wegstecken können – ein unfreiwillig zum Runner gewordener Postbote tut es nicht. Und auch dem abgebrühtesten Geheimagenten wird es einmal zu viel, tagtäglich nur von Mord und Totschlag umgeben zu sein.

3 Antworten

  1. Ok. Stimm ich dir zu! Aber zu dem ersten Punkt: Ein Runner ist immernoch ein Mensch. Ein Runner ist nicht unbedingt so gefühlslos und abgestumpft, dass ihm alles egal ist außer seinem eigenen Leben. Gerade dem Runner kommt es darauf an seine Freunde und Teamkollegen heil aus einem Run und aus sonst jedweder Gefahr zu bringen. Shadowrun ist ein Spiel und eine Welt die besonders, weit mehr noch als DSA oder WoD, auf dem PRINZIP TEAM basiert.
    Außerdem sollten auch dem normalen Runner von neben an keine Billigung oder Gefallen an etwa Vergewaltigung oder Kindesmord oder ähnlichem liegen.

  2. Ja das ist schon klar, das mit dem “Prinzip Team” akzeptiere ich, das haben wir allerdings fast noch nie so gespielt. Manch ein Runner hat eben den Ehrenkodex internalisiert – und mancher nicht (mein Magier hat das, mein Brawler und der Geheimagent fühlen sich nicht primär als Runner sondern jeweils als Vertreter ihrer Erstprofession).

    Das mit der Abgestumpftheit habe ich so nie sagen wollen – das hat sich bei einem (!) meiner Charaktere so ergeben.

  3. Der Teamgedanke kann auch übertrieben werden. Zumindest am Spieltisch. Da kommt es schonmal vor, dass man ganz gediegen die letzte Metzelaktion des Streetsam “ignored”, um keinen Konflikt im Team zu bekommen. Womit man einen der besonderen Aspekte des Shadowrun-Spiels glatt verschenkt, nämlich die Auseinandersetzung auch mit den Teamkollegen darum, was ethisch vertretbar ist und was nicht.

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