„Das neue Philosophenportal“ – Rezension

Das neue Philosophenportal. Ein Schlüssel zu klassischen Werken (Broschiert) von Robert Zimmer (Autor)
EUR 8,50
Broschiert: 253 Seiten
Verlag: Dtv (Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423344393
ISBN-13: 978-3423344395

Wie bereits der Vorgängerband „Das Philosophenportal“ handelt es sich auch bei diesem zweiten Band um eine Sammlung kurzer (Ein-)Führungen in bzw. durch Monographien großer Denker. Der Stil ist ungezwungen und plaudernd, und dennoch entdeckt man in Zimmers Schilderungen stets den einen oder anderen neuen Aspekt auch in altbekannten Werken. Die Essays zu den einzelnen Werken stehen in keinerlei Zusammenhang, Zimmer selbst bezeichnet sie als „Flyer“ – analog zu den Beschreibungen eines “Museumsführers“ (als welchen er sein Buch ja auch verstanden wissen will). Folgerichtig konzentriert Zimmer sich im „Haus der Philosophie“ auf „Fundament und [...] tragende[...] Teile des Baues“ – was allerdings z.B. bei Paul Feyerabend immerhin fragwürdig ist. Dieser ist dann auch zusammen mit Gadamers „Wahrheit und Methode“ der einzig „moderne“ Autor. Die vergnügliche Rundreise durch zweieinhalb Jahrtausende Geistesgeschichte beginnt Zimmer am anderen Ende mit der aristotelischen Metaphysik, der „Geburt der ersten Philosophie“. Mit Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ und Boethius „Trost der Philosophie“ kommt dann eher wieder etwas Lebensnahes ins Spiel, bevor mit Thomas von Aquins „summa theologica“ der „Superdom der mittelalterlichen Scholastik“ angegangen wird, wie Zimmer ausführt. Mit dem Einfluss des „Nichtwissens“ befasst sich das Kapitel zu Kues „Die belehrte Unwissenheit“, und auch Spinozas Ethik wird behandelt. Es folgen Kapitel zu Hobbes, Montesquieu, Rousseau, Mill und Hume – woran sich die Betrachtung der doch eher schwer zu fassenden „Phänomenologie des Geistes“ anschließt.
Im ersten Band schmerzlich vermisst, schenkt Zimmer nun endlich Feuerbachs „Wesen es Christentums“ die verdiente Aufmerksamkeit. Im 20. Jhd. geht es weiter mit den Gedanken Spenglers zum „Untergang des Abendlandes“ (uns insbesondere der wenig positiven Rezeptionsgeschichte) und dem Existentialismus in Gestalt Sartres. Als Gegenpol zu Spengler kommt nun auch die Frankfurter Schule mit der „Dialektik der Aufklärung“ zu Worte.

Ein rundherum empfehlenswertes Buch für jeden, der sich über Monographien an die Philosophie heranarbeiten will – es empfiehlt sich freilich, dazu eine systematisierte Darstellung parallel zu lesen –, oder dem die Wikipediaartikel und Kurzcharakteristika zu einem Autoren nicht ausreichen. Es enthält sich überdies jeder weiteren Kritik (außer der, welche in der Rezeptionsgeschichte vorgebracht wurde), sodass der Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann – und machen muss.

(erscheint im März in A&K 01/08)


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