Es gibt einen Welttag der geistigen Armut Welttag des geistigen Eigentums. Klar, man feiert auch die Himmelfahrt Mariä, also kann man ruhig einen Tag für etwas einführen, das de facto so nicht existiert. Die FAZ, genauer: Oliver Jungen, der selbst nicht einmal eine Website besitzt, nutzt das u.a., um auf “den Bloggern” herumzureiten:
Netzpolitik.org zum Beispiel verlangt keine Anarchie, sondern „zukunftsfähige Geschäftsmodelle“. Einfach parasitär zu existieren ist allerdings keines: Dass kulturell anspruchsvolle Inhalte nicht umsonst zu haben sind, sollte inzwischen allen klar sein. Dass Blogger, gerade die, die für Eigentumsfreiheit plädieren, in den seltensten Fällen selbst solche Inhalte kreieren, ist die Schattenseite der Angelegenheit.
Gut. Wir gehen also davon aus, dass Mozart und Beethoven kulturell nicht anspruchsvoll sind, genausowenig das Onlineangebot von der FAZ oder anderen Zeitungen – denn all das ist oder war “umsonst zu haben”. Dennoch muss man Oliver Jungen ernst nehmen, denn Unwissenheit heißt nicht, dass man etwa für die Diskussion gesperrt wäre:
Die Schlussfolgerung: Mit Menschen, die fast nichts über das Netz wissen, kann man über das Netz nicht reden. Das aber ist falsch, ja gefährlich. In vielen Bereichen verlässt sich die Politik mit guten Gründen auf Fachgutachten.
Ja, z.B. in der Drogenpolitik oder bei “Onlinedurchsuchungen”, wo durch “Fachgutachten” der Pharmaindustrie oder von Ermittlerseite so praxisnahe und rationale Ratschläge zu Stande kommen. Oder eben hier, wo die Musikindustrie die Politik objektiv berät.
Ich halte Journalisten wie Oliver Jungen für das eigentliche Problem, nicht “die Blogger”. Die haben nämlich größtenteils zumindest den Hauch einer Ahnung, wovon sie schreiben – und wessen Machtkalkül das nutzt.
PS: Ich könnte mich egtl. auch zum FAZ-Watchblog ausrufen…
PPS: Apropos geistiges Eigentum: Ein Prof teilte uns heute mit, dass wir aus Gründen des Urheberrechts künftig keine Reader mehr zusammengestellt bekommen werden, uns vilgo alles selber kopieren müssen. Damit entfällt auch der Zwang, dem grottigen Copy Alpha Geld in den Rachen werfen zu müssen.
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“As it is no longer legal for me”, so meine Literatur-Dozentin, gibt sie uns keine Kopiervorlagen mehr, das Kopiergeld allerdings wird weiterhin fleißig eingesammelt. Eine unglaubliche Frechheit ist das, wozu zahlen wir eigentlich Studiengebühren? Am dreistesten finde ich den Englisch-Grundkurs (den man drei Semester lang besuchen muss, d.h. man muss sechs Klausur schreiben, um dann einen einzigen mickrigen Schein dafür zu bekommen), der fast ausschließlich aus Referaten von Studenten besteht, die ihre Handouts selbst kopieren und selbst bezahlen müssen (wozu richtet man einen Virtuellen Campus ein, wenn sich die Dozenten nicht bereit erklären, die Handouts dort hochzuladen?), von denen dann aber zusätzlich Kopiergeld verlangt wird…
Mir ist noch was eingefallen, passt zwar überhaupt nicht in den Zusammenhang, ist aber trotzdem wundertoll:
http://www.ottfried.de/redaktions-blog/ottfried-und-ottfried.de-sind-die-besten-in-bayern.html