Der revolutionäre Erste Mai

Was so revolutionär war, fand man bis zum Schluss nicht raus: Eher schien mir die ganze Maidemo ein großer Kindergarten. Erst liefen wir mit den “Oragnisierten Autonomen” (contradictio in adjecto?) durch die halbe Stadt, um dann zuzusehen, wie sich die Bullen Polizei dazu hinreißen ließ, deren Hauptstreitwagen zu überfallen; Kopfplatzwunden und gastränende Augen waren die Folge, außerdem eine zerstörte Anlage (indymedia dazu). Man durfte betroffen sein und sich über die gnadenlose Ungerechtigkeit des Systems aufregen. (Sorry, aber das kann ich nicht mehr - dass Deutschland kein Rechtsstaat ist, kann man sogar aus dem Munde staatsangestellter Juristen und Politologen hören.)

Danach liefen wir zum Rathenauplatz (Video), wo sich dann alle über die Nazis aufregen durften. Die sah man zwar nur aus 100-200m Entfernung - selbst die Polizeischarfschützen waren deutlicher erkennbar -, aber das hinderte niemanden daran, sich Gehör zu verschaffen: man pfiff, brüllte und buhte eben lauter, und damit vor allem sich selber ins Ohr. Aber man hat “Präsenz gezeigt” und “ein Zeichen gesetzt”.

Der krönende Abschluss: Ein kalter Döner auf dem Multikultistraßenfest in Gostenhof. Nein, der Erste Mai ist nichts für mich.

weitere Fotos von anouphagos

PS: Malys Strategie der Ignoranz ist natürlich nicht aufgegangen. Nicht, weil sie keine gute Idee gewesen wäre - jedes Jota Erwähnung, jeder Augenblick AUfmerksamkeit für Neonazis ist zu viel - sondern weil man das nicht hinbekommt, da wegzuschauen; die ganzen “Linken” ziehen ja persönlichen Gewinn daraus: von der Profilierung als antifaschistisch im eher bürgerlichen Spektrum über die Betroffenheitsrhetorik der Jugendverbände bis hin zum Krawallheischen der antidemokratischen Linken.

Eine Antwort zu “Der revolutionäre Erste Mai”

  1. Symbolmagie. Verbieten! « Seitenhiebe sagt:

    [...] der Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen” nicht zu sagen. Das betrifft Demos genauso wie Thor [...]

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