Deutschland, deine Spießer

Eigentlich bin ich eher ein Freund überregionaler Zeitungen. Da ich aber gestern – zumindest kurz – auf der Eröffnungsveranstaltung der Kunsträume 2008 im Neuen Museum war, wollte ich wissen, ob darüber etwas in der hiesigen Lokalzeitung steht. Die Laudationes am Anfang waren für meinen Geschmack etwas zu lang, und dafür, dass sie immer wieder die Unabhängigkeit von Kunst und Wirtschaft betonten, eindeutig von zu viel Wirtschaftsjargon geprägt. (Man sprach von erreichten “Synergieeffekten” etc.)

Ich fand nichts zu den Kunsträumen, aber einige Artikel, die mich aufregten. Zum Beispiel dieser hier über  Abiturscherze. Der zentrale Gedanke des Textes:

Doch egal ob Wasserschlacht, Sportfest, imitierte Quizsendung oder Karaoke-Versuche: Der Abi-Scherz ist zwar eine feste und oft auch lustige Veranstaltung, aber «rechtlich gesehen eine Grauzone», so der Ministerialbeamte Horst Göppel. «In der Schulordnung gibt es für Abi-Streiche keine spezielle Regelung.»

Sein Chef, der Ministerialbeauftragte für Gymnasien in Mittelfranken, Joachim Leisgang, sieht das Problem vor allem in der Zuständigkeit der Schule: «Wenn der Abi-Streich als Schulveranstaltung gehalten wird, ist es normalerweise kein Problem. Findet er aber erst nach der Verabschiedung statt, sind die ehemaligen Abiturienten ja keine Schüler mehr. Dann wird es problematisch.»

Das ist doch gerade der springende Punkt – der Abischerz soll ja aus dem institutionalisierten Rahmen der Schule herausgehoben sein. Einen Abischerz von Oben absegnen zu lassen, ist so, als müssten die Bahnangestellten bei Mehdorn die Erlaubnis für einen Streik einholen. (An meinem alten Gymnasium gibt es sowas aber vermutlich eh nicht mehr lange, dem Regime von W. Büttner sei Dank.)

Außerdem stolperte ich mal wieder über den Fall des Kindes bei eBay.

Nach Angaben der allein sorgeberechtigten Mutter habe es sich lediglich um einen Spaß gehandelt, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Über die rechtlichen Konsequenzen seien sich beide Elternteile nicht bewusst gewesen.

Es können auch wirklich nur deutsche Ermittlungsbehörden so blöd sein, einer solchen offensichtlichen Satire nachzugehen. Armes Land.

2 Antworten

  1. Bei uns musste man den Abischerz absegnen lassen…

  2. [...] Bundesgeschäftsführer Beerfeltz) ist illegaler Waffenhändler. Das ist ähnlich kurios wie der Fall des eBay-Babies, wo sich gleich übereifrige Sozialpädagogen des Jugendamtes bemüßigt fühlten, einzugreifen [...]

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