Fazit von der Nürnberger Sicherheitstagung 2008

Wie berichtet, war ich Freitag und Samstag auf der NS08. Mit Moderation und Gästewahl war ich nicht ganz zufrieden. Entgegen der Forderung von Bürgermeister Förther kann ich also nicht rein wohlwollend Bericht erstatten.

Zu den Grußworten von Förther, Kirch und Braun: Alle versuchten, mit Fussball-Pointen zu landen, und alle scheiterten. Der erste, der den Fussball publikumswirksam einzusetzen wusste, war Schachtschneider in seinem “Conterreferat” – einem Diskussionsbeitrag – zu den (eher schleppend abgelesenen) Ausführungen von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Braun machte sich hier eher wenig Ehre, als er eingestand, den regional doch recht bekannten Schachtschneider nicht zu kennen. Insgesamt war dessen EU-kritischer Einwurf eine willkommene Abwechslung zum Pro-EU-Geheuchel des Rests; einzig Herfried Münkler lieferte einen ähnlich durchdachten Beitrag. Der General a.D. Naumann beschränkte sein Thema “Europa auf Augenhöhe mit USA, China, Russland” auf eine rein militärische Seite, noch dazu stark neorealistisch geprägt und schon fast reaktionär-paranoid.

Erwähnenswert am ersten Tag ist noch die Multi-Kulti-Heuchelei, die anläßlich des Referats der deplazierten Religionspädagogin Gönül Yerli losbrach. Diese predigt zwar einen “aufgeklärten Islam” – was immer das sein soll; die Existenz aufgeklärter Muslime gestehe ich ja ein, aber einen aufgeklärten Islam gibt es wohl kaum – und die Stärkung der Frauenrechte, reist aber mit Kopftuch, ihrem Mann und ihrem Imam (!) an. Auch die Verwechslung der abrahamitischen mit den Weltreligionen war kein Glanzpunkt; doch dem Applaus tat das keinen Abbruch: So viel Engagement, Gutmenschentum und Zivilcourage verdient Würdigung! Richtig ist: Mit aufgeklärten Individuen wie ihr gäbe es keine Probleme (wie auch, sie ist friedlich eingestellt). Falsch ist, daraus zu schließen, dass es keine kulturellen Probleme gibt. Und niemand hat angesprochen, dass Gottesglaube in einer aufgeklärten Zivilisation eigentlich gar nichts mehr verloren hat. Was das Ganze mit der EU und ihrer Sicherheit zu tun hat, wurde leider auch nicht klar.

Weniger der Rede Wert waren die Beiträge von Markus Söder und Amin Farhang am zweiten Tagungstag, spannend dagegen eine Live-Schaltung zu Dr. Saeed Jalili, dem Chefunterhändler des Iran. Der sprach mindestens zwanzig Mal von “Demokratie”, betonte aber auch (sinngemäß), dass der Iran selber definiere, was Demokratie und demokratisch sei.

Höhepunkt und Hauptanlass für mich, die Tagung zu besuchen, war der Vortrag von Herfried Münkler: “Die Asymmetrie des modernen Krieges und die Gültigkeit der Theorien von Clausewitz“. Er rechtfertigte Clausewitz’ Theorien, indem er darauf hinwies, dass die Kritik an ihm lediglich die Beispiele (“Kategorie der Anschauung”), nicht aber die Thesen (“Kategorie der Begriffe”) treffe. Er sei weiter aktuell. Unser aktuelles Problem im Kriege – im “Messen der moralischen und physischen Kräfte mit Hilfe der Letzteren” – sei ein Mangel an moralischen und ein Überschuss an physischen Kräften, die dem genauen Gegenteil gegenüberstünden: daher die Asymmetrie.

Insgesamt eine lohnenswerte Tagung mit vielen Eindrücken, aber auch einigen Enttäuschungen.

Eine Antwort

  1. [...] Das kann man nachlesen, wenn man es nicht glaubt, z.B. bei Günter Amendt. Herfried Münkler hat im Zuge der Nürnberger Sicherheitstagung versucht, das Legalisierungsargument zu widerlegen, demzufolge Legalisierung dem organisierten [...]

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