Erlanger Programm gegen Kauf”sucht”

Es ist ein Kreuz mit den Süchten: In einer Konsumgesellschaft begegnen sie einem überall da, wo aus sozialen Gründen Verhalten pathologisiert werden muss. Zum Beispiel bei der Computersucht, oder auch dem Workaholismus. (Beides Verhaltensweisen, die erst dann als Krankheit gelten, wenn die Abeitsfähigkeit leidet.)

In Erlangen kuriert man jetzt an der Kaufsucht herum.

Knapp 8 Prozent aller Deutschen gelten heute als kaufsuchtgefährdet. Anfang der 90er-Jahre waren es in Westdeutschland noch 5 Prozent, im Osten sogar nur 1 Prozent. Doch die Möglichkeiten, bargeldlos und im Internet auch rund um die Uhr zu shoppen, haben die Kaufsucht zu einer Modekrankheit gemacht.

Was ist denn eigentlich eine Modekrankheit? Sollte Krankheit nicht per definitionem – anders natürlich als Diagnosen! – von der “Mode” unabhängig und eine anthropologische Konstante sein? (Oder ist vielleicht auch einfach nur der Begriff “Krankheit” falsch gewählt?) So, wie man sich die Wirksamkeit einer Pille einreden – respektive einbilden – kann, geht das wohl auch mit Krankheitsbildern.

“Meiner Meinung nach gibt es keine vollständige Heilung”, sagt Ulrich K. Er hat nach der Therapie seine eigene Selbsthilfegruppe gegründet. So habe er immer jemanden, mit dem er über seine Krankheit reden könne.

Vielleicht dient aber die Krankheit auch einfach nur zur Identitätsbildung und Gruppenintegration? (Bei anderen “Sucht-Szenen” wie Heroinkonsumenten oder Spielsüchtigen gewinnt man diesen EIndruck ohnehin recht schnell.)

Und die Soziologin Tina Guenther liefert im Interview mit dem Wissenschaftscafe auch noch einen guten Gedanken zum Medienkonsum und der “Sucht” nach ihm:

Blogs haben nicht mehr und nicht weniger Suchtpotenzial als jede andere Aktivität auch, und damit meine ich keinesfalls nur Online-Aktivitäten (z.B. Spiele etc.), sondern alle Aktivitäten, die Menschen leidenschaftlich betreiben. Kein Mensch käme auf die Idee, das Lesen von Büchern als Sucht zu bezeichnen, weil das positiv assoziiert ist. Dabei weiß jeder, wie sehr einen ein gutes Buch packt.

Einen Kommentar schreiben