Als Politologe sage ich: Die Judikative funktioniert offensichtlich, im Gegensatz zur Legislative. (Und die Exekutive war mit der Durchsetzung des Rauchverbots ja ohnehin überfordert.) SIe hat rechtzeitig reagiert und ein sinnloses Gesetz lange nach seiner Verabschiedung gekippt. Ich zitiere hier zwei taz-Quellen, und weil mir deren Berichterstattung zum Rauchverbot schon imme rgefallen hat, auch noch eine dritte: Ein Artikel zu den positiven Qualitäten des Rauchens. Ja, die gibt es!
„Ich rauchte im Theater, vormittags bei der Arbeit, abends nach dem Essen, und ich hatte den Eindruck, wenn ich aufhörte zu rauchen, würde ich dem Theater sein Interesse, dem Abendessen seine Würze, der Vormittagsarbeit den frischen Schwung nehmen. Jedes unerwartete Ereignis, das meine Augen träfe, war, so schien mir, grundlegend verarmt, sobald ich ihm nicht mehr rauchend entgegentreten konnte.“ (Sartre, zitiert nach besagtem Artikel)
Als Soziologe sage ich: Diejenigen, die das Gesetz auf den Weg gebracht haben, versuchen, sich durch Verbote einen Menschn heranzuzüchten, den es so nicht gibt, den rationalen, gesundheitsbewußten, abstinenten Lestungsmenschen. Er ist das Ziel des totalitären Marktstaates. Seien wir froh, dass der Mensch, wie er ist, sich dagegen wehr, so gemacht zu werden!
Hannah Arendt und all den rauchenden Schriftstellern wäre der Feldzug gegen den Raucher völlig unverständlich gewesen, er wäre ihnen erschienen als das, was er auch ist, ein Anschlag aufs selbstbestimmte Handeln, eine Entmündigung des angeblichen mündigen Bürgers, ein Gesundheitswahn, wie ihn sich nur die saturierte Welt des Bürgertums leisten kann, ein Luxusproblem von Menschen, die sich um wichtigere Dinge kümmern sollten. Ein Problem vor allen Dingen, das mit einer Vehemenz angegangen wird, die ausreichen würde, um weit gravierendere Dinge in der Welt in den Griff zu kriegen. Aber größere Sorgen macht man sich im Westen um die eigene Gesundheit. Man versucht, das Leben zu verlängern, aber niemand weiß, wozu das gut sein soll.
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bs ;-)
is ja schön wenn dein kumpel sartre im theater oder beim essen gerne raucht; auf mich trifft jedenfalls das gegenteil zu: ein raucher am nebentisch/platz im restaurant oder theater nimmt mir als nichtraucher jeden schwung eines solchen „events“.
es ist mir herzlich egal, wer wann wo bei seiner vormittagsarbeit daheim raucht, aber da ein großteil der raucher sich herzlich wenig um nichtraucher kümmert und ein jeder lieber jammert und schimpft, als gewohnheiten zu ändern (lies: rücksicht zu nehmen), sehe ich keinen anderen weg als das rauchen an orten zu verbieten, an denen allgegenwärtiger tabakkonsum für nichtraucher ein größeres problem darstellt als für die raucher, welche ihre exzessive selbstzerstörung gerne vor der tür ausüben dürfen.
insofern seh ich darin keine entmündigung, sondern das logische resultat aus dem leider weit verbreiteten egoismus vieler raucher.
der mensch ist und bleibt eben nicht lernfähig.
so, ich geh jetz in eine rauchfreie kneipe. schönen abend.
übrigens: darüber, dass die (ohnehin uneinheitlichen) regelungen in vielen bundesländern ein beispiel beispiellos schlechter politik sind, darüber brauchen wir nicht zu reden.
das ändert aber nichts an meiner grundlegenden meinung zum nichtraucherschutz.
Der Beitrag ist so ein dilletantischer Quatsch, das gibt es ueberhaupt nicht.
Und das aus dem Munde eines „Politiologen“ und selberernannten? Soziologen!
Im Vordergrund steht der Nichtraucherschutz, nichts anderes. Es ist weder eine Entmuendigung noch eine Einschränkung des Selbstbestimmung.
Auch will es dem Raucher nicht die „Wuerze“ aus dem Essen nehmen, so poetisch es auch klingen mag.
Tz!
Hui, endlich mal Widerspruch und Kontroverse. Weiter so! (Und ruhig auch ad pesonam, ich vertrage das;))
Thomas: Du hast meiner Ansicht nach in einem wesentlichen Punkt Recht und in einem anderen wesentlichen Punkt unrecht: Recht hat du, wenn du sagst, daß viele Raucher rücksichtslos sind und in keiner Weise bereit sind, ihre Gewohnheiten auch den Wünschen ihrer Umgebung (sprich: den Nichtrauchern) anzupassen. Es wäre in der Tat wünschenswert, daß sich Menschen erwachsener verhalten würden, anstatt sich in unerträglichem Egoismus einfach zu weigern, vernünftig zu sein. Als Nichtraucher kenne ich aber auch einige Raucher, die Rücksicht nehmen, und ich kenne militante Nichtraucher, die einen Wutanfall bekommen, wenn sie auch nur eine winzige Rauchwolke am Himmel oder an der Decke einer Kneipe sehen. Beide Gruppen von MEnschen verhalten sich gleichermaßen intolerant und abscheulich. In beiden Fällen aber, und da bin ich dezidiert anderer Meinung als du, ist ein Staatseingriff nicht die Lösung für unser gemeinsames Problem.
Was nötig ist, ist nicht noch ein weiteres Gesetz zu den vielen Tausend Regalen, die bereits durch das deutsche „Recht“ gefüllt werden. Ein Gesetz darüber hinaus, daß einer rücksichtsvollen Mehrheit von Rauchern und Nichtrauchern die Möglichkeit nimmt, friedvoll und zivilisiert miteinander umzugehen, einander zu respektieren und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Man überlege sich einmal, was passiert, wenn der Staat in allen Fällen, in denen sich jemand egoistisch aufführt, ein Gesetz machen würde, das den Egoismus verbietet. Dies passiert: Da der Staat den Menschen jegliche Verantwortung für ihr Handeln abnimmt (denn der Staat schreibt eine bestimmte Handlungsweise ja vor), lernen die Egoisten niemals, daß es falsch ist, egoistisch zu sein, sondern sie lernen nur, daß es falsch ist, gegenüber dem Staat nicht gehorsam zu sein.
Bei den meisten Rauchern handelt es sich ja um erwachsene Menschen (und bei den minderjährigen handelt es sich um ein völlig anderes Thema), und bei den meisten Nichtrauchern in Kneipen u. dgl. auch. Wir brauchen keine Knallerbsenstrauch-Polizei und keine Maschendrahtzaun-Justiz. Wir brauchen mündige Bürger, die solche Kleinigkeiten untereinander regeln können! Die bekommen wir aber nur, wenn die Menschen auch als mündige Bürger miteinader umgehen können, also frei in ihren Handlungen sein können.
Zwei letzte Bemerkungen noch:
1. ich habe auf meinem Blog (http://catocon.wordpress.com/2008/07/30/nichtraucher-fur-freiheit/) etwas ausführlicher dieses Thema behandelt.
2. Anders als Anouphagos bin ich kein Anhänger persönlicher Angriffe, ich sage ja auch nicht, daß WNK soviel bedeutet wie „wahnsinniges Nichtraucher-Kind“ oder so etwas… Und: Anders als WNK bin ich ein Anhänger sachlicher Argumentation, deshalb werde ich mich mit diesem Beitrag, so angefüllt von unermeßlicher Weisheit, nicht weiter auseinandersetzen.
P.S. (zum Untertitel des Blogs): So macht dieser Blog Spaß, aber Soziologie…?
Danke für den Hinweis auf den Untertitel des Blogs, über den bin ich auch schon lange unglücklich. Ich lösche wohl einfach mal den zweiten Teil. Danke :)