Mittwochabend, 22.45 im IMAX am Cinecitta Nürnberg: Zweite Vorführung von Dark Knight. Ich sage gleich vorweg und aller Kritik zum Trotz: Unterhalten hat mich der Film, auch wenn kein wirklicher Spannungsbogen aufgebaut wurde und vielfach die gerühmte Charaktertiefe doch auf dem Boden des Suppentellers ihr Ende fand. Es war ein düster-buntes Spektakel, und es beschlich einen das Gefühl, dass man veruscht hatte, jede Szene zu einer noch nie dagewesenen, ultracleveren, ultraschnellen Handlung für sich zu machen. Das ging so nicht ganz auf, denn zweieinhalb Stunden reines Adrenalin lassen nur die Rezeptoren sich vermehren – sorgen also für Toleranzbildung. Bei Spreeblick wird das Ganze denn auch zerpflückt und Rüdiger Suchsland widmet sich in der TP den Gründen des (scheinbaren?) Erfolgs.
Ich persönlich sage: Actionfilme brauche ich nicht, da gucke ich lieber zu Weihnachten Die Hard. Aber Dark Knight lieferte einige schöne Denkanstöße in einem pervertierten (und abgespeckten) Batman-Universum: Gilt gegenüber zivilen Feinden ein Feindstrafrecht; wie weit darf die Verfolgung und die Überwachung gehen; darf ein Individuum diese Grenzen überschreiten, wenn es im Einklang mit gesellschaftlichen Werten handelt? Ein bisschen ist der Hightech-Kampf Batmans gegen seine psychopathischen, aber technisch eher schlecht ausgerüsteten Gegner sichtlich der Situation asymmetrischer Kriege angeglichen. Darüberhinaus kämpfen alle Seiten auf ihre Art gegen den Nihilismus: Batman, Dent, Wayne, Gordon, Joker (der diesmal kein einfacher Bandengangster, sondern die personifizierte Irrationalität ist), die kleine Rachel (deren Tod man schon ahnt, weil sie nicht zum fortsetzungstauglichen Batman-Repertoire gehört), Lucius (der neue “Q” von Batman, der den alten, schwarzen Weisen spielt), schließlich Alfred (der sich das permanente Du von “Master Wayne” gefallen lassen muss: Weder Wayne noch Batman sind länger Gentlemen).
Das zentrale Thema dieses Kampfes ist aber die Gerechtigkeit; und da ist der dunkle Rächer, der Ritter der Nacht, ganz in seinem Element. Die Gerechtigkeit, die der wackere Kämpfer des Tages Harvey Dent vor seinem Fall in die Schattend er Nacht nie leisten konnte, die liefert Batman. Der Film thematisiert leider nicht ausführlich genug das zentrale Thema: An welchen Werten kann sich Batman orientieren? An seinem common sense? An dem der wankelmütigen (und selbst irrationalen!) Massen? Am weisen Rat aristokratischer Freunde, Gönner und Butler? Wer entscheidet, in welcher Rolle man den Fledermausmann gerade braucht? Eine Frage die sich nicht stellt, denn Batman gibt es nicht.
Den Joker hingegen gibt es durchaus, wenn auch nicht in der technischen Rafinesse: Wohl aber in dieser Irrationalität und Skrupellosigkeit. Interessant wird der Fall Joker ja eigentlich erst da, wo man seiner habhaft geworden ist: Was passiert mit ihm nach dem Film? Wie geht die Gesellschaft mit ihm um? Man sperrt ihn vermutlich nach Arkham Asylum, denn daran hat sich nach 60 Jahren Batman nichts geändert.
Ich stimme Barbara Schweizerhof zu: “[...]Aber der Film ist keine Offenbarung. Wie so viele Superhelden-Verfilmungen dauert er im Grunde zu lange und kaschiert seinen Mangel an echtem Drama nur mühsam mit viel pathetischem Gerede über die Schwierigkeit, ein Held zu sein, wenn man es mit dem Bösen zu tun hat. Die Anspielungen auf aktuelle Situationen des “War on Terror” nimmt man besser erst gar nicht ernst.“Ansonsten folgt alles der Superheldendramaturgie, nur nochmal eine Stufe höher, schneller, weiter. Dass Batman nicht zu Dopingmitteln (nur zu “Technodoping”) greift, wundert mich. Aber das wäre ja unmoralisch.
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