homo ludens: Die Zukunft des Spielens (II)

Es ist ja meine fachkundige Meinung, dass das allgemeine Alltagsinterface der Zukunft ein Spiel-HUD ist und dass wir – wie wir das z.B. von der adventure_shell kennen – unseren Alltag und unsere Arbeit in eine Art Spiel verpackt serviert bekommen. Ich vertrete ja auch die etwas abenteuerliche These, dass der aktuelle Wahn um Second Life oder World of Warcraft weniger einer Krankheit (also der „Computersucht“) sondern eher der Heraufkunft einer neuen Kulturtechnik dient: Die heutigen Spieler trainieren unsere Welt von morgen. (Man lese zum etwas vertieften Verständnis auch diese Rollenspieler-Manifest oder besser noch den Text „Ich bin Wir?“ von Sherry Turkle.) Der soziale Aspekt, der früher eigentlich nur in P&P-RPGs vorkam, wird künftig vollelektronisch geboten werden.

Ich habe ja kürzlich bereits über die Computerspiele der (nahen) Zukunft nachgedacht. Die Spiele werden sich dem Alltag annähern, sie werden portabel sein, sie werden keine Singleplayer-Optionen mehr haben (und wenn doch werden das versteckte Multiplayer-Modi sein) und folglich rein sozial funktionieren, sie werden überall und immer zu spielen sein (entweder wie ein Tamagotchi oder wie man sich das in Shadowrun mit der Argumented Reality vorstellen kann), und schließlich werden sie alle Sinnen ansprechen und vom ganzen Körper gesteuert werden (wie das bei der Wii schon üblich ist). Der Alltag bricht vor allem über schon vorhandenen Content ein: Man kann aus seinen flickr-Bildern einen FPS bauen, Twinity transferiert die Welt in den Cyberspace.

In der Zeit dieser Woche erschien ein Artikel über kinästhetische Computerspiele. Das Spiel „Seuss Crane – Detective for Hire“ schlägt eine Brücke zum Genre des Hörspiels (und damit auch zu klassischen, nicht hypermedial vermittelten Texten!). Spiele, die über Elektroschocks oder Geruch mit dem Spieler interagieren – oder dessen Eingabe über Hautwiderstand, Puls, Atmung, Hirnströme entgegennehmen. Was heute PDA oder iPhone, wird morgen die zentrale Anlaufstelle von Reizen, die am ganzen Körper gesammelt wurden.

(Danke an Jana für die links.)

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